Sophienschule


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Hauptschule (Kl. 5 bis 10)

 der

Stadt Frankfurt am Main

Falkstraße 60

60487 Frankfurt am Main

Telefon :    212 -  35283

Fax : 212 - 39094
 

E-Mail : hw_jorda@hotmail.com

 

1.       Einleitung

2.       Analyse

2.1                        Unsere Schüler

3.                 SOPHIENSCHULE AKTUELL -

Fortschreibung und Innovation

3.1         Curriculum Klasse 5

3.2         Trainingsraumprogramm

3.3         Sucht- und Gewaltprävention

3.4         Intensivkurse

3.5         Schülerbücherei

3.6         Kooperation mit anderen Schulen

 

Einleitung

Diese Einleitung stellt trotz ihrer Kürze einen entscheidenden Abschnitt in unserem Schulprogramm dar, weil wir glauben, dass wir dem Leser gerade hier zusammenfassend und treffsicher unsere Philosophie näher bringen.

Pilotschule

Als eine der ersten Schulen in Hessen hat die Sophienschule damit begonnen, am Schulprogramm zu arbeiten. Der Text von 1998 – erschienen im Heft „Schulprogramme und Evaluation in Hessen“ Nr. 6 – ist heute, vier Jahre später, schon teilweise Geschichte geworden. Zu den Erkenntnissen von damals sind selbstverständlich neue hinzugekommen. Diese haben die Schule teilweise verändert und werden nachfolgend im Text genannt und beschrieben. Trotzdem hat das vor vier Jahren Gesagte weiterhin Bestand.

Trendsetter

Eine Schule mit so genannten schwierigen Schülern, mitten in einer Großstadt wie Frankfurt am Main spürt die gesellschaftlichen Veränderungen vor allen anderen und vor allem hautnah. Wir reagieren, ändern uns, und die nächsten Seiten sollen über diese Änderungen berichten. Im übrigen darf dies auch als kleiner Nachweis dazu dienen, dass Schulprogrammarbeit kein in sich abgeschlossenes Thema bedeutet, sondern einer Prozessbeschreibung ähnelt – auf Dauer.

Schüler und Lehrer

Ein genaues Bild von den Schülern der Sophienschule liefert die Analyse der Zahlen zu den folgenden Stichwörtern: Rückläufer, Seiteneinsteiger, LRS-Kinder, Schulschwänzer etc..

Wie eine Auswahl unserer Schüler des achten Jahrgangs bei PISA abgeschnitten hat, dokumentieren die Schaubilder der Analyse.

Dass sich die Lehrer an der Sophienschule recht wohl fühlen und weitere interessante Umfrageergebnisse aus dem Kollegium sind nachzulesen in dem Evaluationspapier.

PISA

Einer Analyse der aktuellen schulischen Situation folgt eine Beschreibung über das Neue an unserer Schule – sozusagen als Konsequenz des Erlebten und Beobachteten. Vier Pädagogische Konferenzen halfen uns bei den Entscheidungen für die Gestaltung des Schuljahres 2002/03.

Beginnen wir mit PISA. Die Sophienschule war dabei – durch Losentscheid – und hat sicherlich auch ihren Anteil am schlechten Abschneiden hessischer Schulen im bundesdeutschen Vergleich und deutscher Schulen im internationalen Vergleich. Für alle, die an dieser Schule arbeiten, war das Ergebnis nicht überraschend.

Der Leser muss erfahren, dass wir Wissen vermitteln, alphabetisieren, das verstehende Lesen lehren, als Sozialstation fungieren, in die Elternrolle schlüpfen, Polizeiarbeit betreiben, Schulschwänzer einsammeln, gutes Benehmen trainieren und und. Unser Programm wird uns sozusagen von unseren Kindern und Jugendlichen vorgegeben. Vieles können wir korrigieren und verbessern – bei manchem bleibt Stillstand, oder die Dinge verschlechtern sich mit zunehmendem Alter.

Die meisten unserer Jugendlichen werden grundlegenden Anforderungen nicht gerecht. Sie können nur mit Mühe lesen oder Texte verstehen und kaum über Grundschulniveau hinaus rechnen. Migrantenkinder schneiden besonders schlecht ab. Die Konsequenzen: Förderkonzepte für Migrantenkinder, besondere Lernziele und Förderpläne für die Schwächeren, sonderpädagogisches Personal, finanzielle Besserstellung von Schulen in benachteiligten Region, gestalten von Schulen als Lebensraum etc..

Spaßkultur

In einer unserer neuen fünften Klasse werden knapp ein Drittel (vier von fünfzehn) der Kinder für den Wechsel in eine Lernhilfeschule überprüft. Diese Schüler schaffen es nicht einmal, das Datum (sic) von der Tafel fehlerfrei in ihr Heft zu übertragen. In unserer zehnten Klasse gelingt es wiederum zwei Dritteln von allen, die Sophienschule mit dem Mittleren Bildungsabschluss zu verlassen. Eigentlich sind wir Lernhilfeschule, Hauptschule und Realschule zugleich. Alle kommen gerne – aber nicht um zu arbeiten oder sich anzustrengen. Die weite Verbreitung der Spaßkultur unserer Gesellschaft steht damit in direktem Zusammenhang. Erziehungspraktiken im Elternhaus lassen eher auf eine Laisser-faire-Einstellung schließen. Unsere Kinder und Jugendlichen sind verwöhnt und wer Begriffe wie Anstrengung, Leistung und Disziplin ganz oben ansiedelt, läuft immer noch gegen den Trend.

Bei Schülerbefragungen im ganzen Land erfährt man ohne gravierende Unterschiede zwischen den Schulformen und den Bundesländern, dass der überwiegende Teil aller Schüler gerne die Schule besucht. Dies muss aber nicht als Indiz dafür herhalten, dass unsere Schulen mehrheitlich als gute Schulen zu bewerten sind. Kann es nicht auch sein, gerade dann besonders gerne in eine Schule zu gehen, die wenig Leistung abverlangt und eher dem Spaßprinzip frönt. Schulen, die bei den Jugendlichen Anstrengungen einfordern, rangieren dann in der Beliebtheitsskala weiter hinten.

Auch bei den Schulverweigerern ist die Ursache nicht eindeutig. Lehrkräfte machen dafür vor allem Familien verantwortlich, während Eltern und Jugendliche die Abkoppelungsgründe eher im schulischen Milieu verankern.

Zwei Fragen

Wie kann das Arbeits- und Sozialverhalten gefördert werden?

Welche Strukturen können aufgebaut werden, um unseren Schülern sichere Hilfestellung zu geben?

Erfolgreiches Lernen geht nur unter zwei Voraussetzungen. Reproduzierendes Lernen kann angeordnet werden, Rechnen, Schreiben, einfaches Lesen, auswendig Lernen gehören dazu.

Sich aber  dauerhaft in eine bestimmte Situation zu begeben, an einem Problem zu arbeiten, Erfahrenes abzurufen und konkret anzuwenden, dies gelingt nur auf freiwilliger Basis. Ohne Selbstbestimmung kein erfolgreiches Lernen.

Gerade sie sind nicht an diszipliniertes Arbeiten gewöhnt und resignieren beim ersten Hindernis. Verabredungen geben sie schnell wieder auf, sobald der Reiz wächst auf das alte unerwünschte Verhalten zurückzugreifen.


 

2.1  Unsere Schüler

238 SchülerInnen insgesamt (150 Jungen und 88 Mädchen)

davon  28 SchülerInnen deutscher Herkunft und 210 ausländischer Herkunft

210 SchülerInnen ausländischer Herkunft

davon 153 SchülerInnen ausländischer Nationalität und 57 SchülerInnen mit deutschem Paß

Ein Viertel der Schüler wohnt in Bockenheim, der Rest kommt aus anderen teilweise weit abgelegenen Stadtteilen.

Die Zahl der so genannten „Rückläufer“ aus anderen Schulformen ist verhältnismäßig hoch, sie liegt bei 40 Schülern. Hier handelt es sich also um Schüler, die in der Regel aus Realschulen, teilweise sogar aus Gymnasien kommen.

Nach der 4. Klasse der Grundschule werden diese Schüler auf Grund des alleinigen Elternwunsches – und nicht selten gegen die Empfehlung der Grundschullehrerinnen – an den oben genannten Schulen angemeldet. Nach zwei Nichtversetzungen müssen diese Schüler die Schule dann verlassen und kommen so als „Absteiger“ an die Sophienschule. Hier fühlen sie sich aber immer noch als Realschüler oder Gymnasiasten, auf keinen Fall aber als Hauptschüler, was zu erheblichen Spannungen im Schulalltag führt.

Eine weitere besondere Herausforderung zeigen die folgenden Daten: Die Zahl der Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche liegt bei 37.

Drei Schüler sind wegen eines Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms in ärztlicher Behandlung und erhalten Ritalin. Die Einnahme erfolgt oft unkontrolliert, und so kommt es zu auffälligem oder weniger auffälligem Verhalten.

20 Schüler erhalten eine allgemeine familiäre Erziehungshilfe.

5 Schüler werden vom Zentrum für Erziehungshilfe betreut. Diese Schüler werden regelmäßig von Mitarbeitern des Zentrums im Unterricht besucht und begleitet, außerdem finden häufig Gespräche am „runden Tisch“ zwischen allen Beteiligten statt (Schüler, Klassenlehrer, Mitarbeiter des Zentrums für Erziehungshilfe). Das beinhaltet einen erheblichen Zeitaufwand für die betroffenen Klassenlehrer.

Im letzten Jahr ist uns aufgefallen, dass von den etwa 30 aufgenommenen Fünftklässlern für ein Drittel eine Überprüfung zum Wechsel in eine Lernhilfeschule erforderlich wäre, weil diese Kinder den Anforderungen in keiner Weise gewachsen sind. Dass es meistens bei den Überprüfungen bleibt und nicht zum Wechsel kam, soll hier nur als Tatsache festgehalten werden.

Weitere Schwierigkeiten entstehen an der Schule durch die hohe Zahl der Schulschwänzer (20) sowie durch solche Schüler, die regelmäßig zu spät kommen, und das sind immerhin 20 %. Bei einer überschaubaren Größe bleiben die Schüler, die unentschuldigt fehlen, nicht unentdeckt. Die Recherchen – in der Regel schon nach dem zweiten Tag des Fehlens – beschreiben immer die gleiche Situation: Verlassen der elterlichen Wohnung wie gewohnt, um sich mit Freunden zu treffen.

Der Versuch, Kinder mit Hilfe der Polizei dem Schulbesuch zuzuführen, war bisher einmalig, wurde aber von Seiten der Polizei nach drei Tagen wegen Personalmangels beendet; die pädagogische Wirkung blieb aus.

Mit der Polizei hatten oder haben schon 10 % unserer Schüler zu tun. Dabei ging es um folgende Delikte: Diebstahl, Sachbeschädigung, Drogenmissbrauch, Raub und Körperverletzung.

Nahezu rekordverdächtig – und darauf sind wir gewiss nicht stolz – ist die Anzahl der Klassenkonferenzen im Schuljahr (35). Durchschnittlich ein Mal pro Woche sitzen Lehrer, Schulleitung, Klassensprecher, Eltern und der betroffene Schüler zusammen, um einen schwierigen Vorfall zu klären und eine sinnvolle Strafe auszusprechen.

Der Grund für die zahlreichen auffälligen Schüler an der Sophienschule ist häufig in der familiären Situation zu suchen. So leben 36 Schüler bei nur einem Elternteil. In 85 Familien arbeiten beide Eltern, bei 16 Schülern sind beide Eltern arbeitslos, bei 17 der Vater, bei 18 die Mutter. 7 Schüler sind in Heimen untergebracht.

Eine weitere Schwierigkeit sind die großen Altersunterschiede innerhalb der einzelnen Klassen. In sieben Klassen streuen die Geburtsjahrgänge über vier Jahre, in vier Klassen über drei. Dabei ist die Streuung bei den Jungen stärker als bei den Mädchen.

Die Gründe hierfür sind Nichtversetzung, späte Einschulung. Wechsel aus den Intensivkursen in einer ihrem Können angemessene Jahrgangsstufe, die oftmals nicht ihrem Alter entspricht.

In den letzten beiden Jahren gab es 83 Neuzugänge und 33 Abgänge. Hinzu kommen noch die schulinternen Zugänge aus den Intensivkursen (17) und Sitzenbleiber. Dadurch ändert sich häufig die Zusammensetzung der Klassen. Gerade diese hohe Fluktuation zwingt viele Klassenlehrer, nach erfolgreichem Einüben von Regeln, Ritualen und Kommunikationsmustern immer wieder vorne anfangen zu müssen.


 

3.1       Curriculum Klasse 5

Der ursprüngliche Gedanke, für sämtliche Klassenstufen einen curricularen Rahmen zu erstellen, erwies sich als nicht realisierbar. Er wurde aufgegeben zugunsten inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Planungen für die Jahrgangsstufe 5 (Curriculare Basis).

Schwerpunkte:             Klassenlehrerprinzip (ca. 10 – 15 Wochenstunden)

·        Die Schüler der Klasse 5 sollten von einem kleinen Lehrerteam unterrichtet werden. In unseren beiden fünften Klassen arbeiten aktuell jeweils vier Lehrer in einer Klasse.

·        Zu Beginn des Schuljahres sollen Vergleichstests in den Fächern Deutsch und Mathematik geschrieben werden.

·        Für jeden Schüler ist ein Leistungsprofil zu erstellen, damit individuelle Lernzuwächse später sichtbar dokumentiert werden können.

·        Als ein Ergebnis von PISA erhalten die Schüler der Klasse 5 eine Lesestunde pro Tag zusätzlich. Außerdem wird die Schülerbücherei regelmäßig in den Unterricht mit einbezogen.

·        Für Schüler gibt es eine individuelle Lesekartei, d.h., es wird festgehalten, welche Bücher ein Schüler gelesen hat.

·        Durch eine enge Kooperation mit der Schülerzeitung „Sophieso“ können „Autoren“ gefördert werden.

·        Projektorientiertes Arbeiten besitzt einen hohen Stellenwert an unserer Schule. Für Schüler in der 5. Klasse geht es um das Einüben dieses Unterrichtsprinzips z.B. mit Themen wie Dinosaurier, Indianer etc. . Unter anderem wird hier auch die eigenständige Museumsarbeit eingeführt.

·        Feste Regeln und Rituale wie Montagskreis, Klassendienste, Konzentrationsübungen etc. gehören zum Unterrichtsprinzip.

·    Sekundärtugenden wie Ordnung, Pünktlichkeit, Umgang miteinander stehen im Mittelpunkt des ersten Jahres an unserer Schule. Von Anfang an beschäftigt sich die Erziehung an der Sophienschule damit, peu á peu, ein angemessenes Sozialverhalten bei unseren Schülern herauszubilden.

·        Regelmäßig sollen außerschulische Lernorte besucht werden (Zoo, Palmengarten, Bauernhof, Erntedankfest etc.).

·        In regelmäßigen Abständen überprüft der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin die Lernmaterialien der Schüler; zunächst durch Ankündigung, später überraschend. Wir nennen das TÜV.


 

3.2       Trainingsraum

Als schwierig gelten Kinder und Jugendliche, die sich innerhalb der Schule wiederholt so verhalten, dass sie bei Lehrern aber auch Mitschülern Anstoß erregen.

An der Sophienschule haben es in den letzten Jahren die KollegInnen vermehrt mit verhaltensauffälligen Schülern zu tun. In den Klassen können drei typische Ausprägungsformen beobachtet werden:

  1. Aktiv „störende“ Verhaltensauffälligkeiten ( aggressives Verhalten, Sachbeschädigung, fordern von Aufmerksamkeit, motorische Unruhe, Ungehorsam, Wutausbrüche etc.).

  2. Leistungsprobleme (mangelnde Motivation, Unkonzentriertheit, Leistungsstörungen).

  3. Internalisierende Verhaltensauffälligkeiten (depressive Verstimmung, psychosomatische Störungen, mangelndes Selbstvertrauen, Versagensängste).

Unerwünschtes Verhalten stört den Lernbetrieb. Zu den „schwierigen Schülern“ wird ein Schüler dann gezählt, wenn er auf die Ermahnung, das unerwünschte Verhalten aufzugeben, nicht reagiert. Störungen des Unterrichts werden mehr und mehr zur Normalität, geeignete Lernatmosphären immer seltener.

Auf Vorschlag des Schulleiters hat die Gesamtkonferenz im Juni 2002 einstimmig beschlossen, im Schuljahr 2002/03 das so genannte „Trainingsraumprogramm“ an der Sophienschule einzuführen. Diese Idee nach Stefan Balke hat zwei Ziele: Erstens lernbereite Schüler zu schützen und ihnen einen ungestörten Unterricht anzubieten, zweitens häufig störenden Schülern zu helfen, dass sie ihr Sozialverhalten verbessern.

Ein störender Schüler wird deutlich ermahnt. Wenn er nicht einlenkt, bzw. weiter stört, muss er die Klasse verlassen und in den Trainingsraum gehen. Dort erarbeitet er unter Aufsicht eines Lehrers einen Rückkehrplan (vergleiche Anlage), mit dem er frühestens in der übernächsten Stunde in den Unterricht zurück geht.

Bei Störungen im Trainingsraum muss der Schüler nach Hause. Gleichzeitig werden die Eltern informiert. Der Schüler darf nur dann zurück in die Schule, wenn er mit einem Elternteil zu einem Beratungsgespräch kommt.

Der Trainingsraum der Sophienschule ist seit Beginn dieses Schuljahres jeden Tag von der ersten bis zur vierten Stunde einschließlich mit einem Lehrer/Lehrerin der Schule besetzt.

Nach einer sechswöchigen Erprobung sprachen sich kurz vor den Herbstferien alle KollegInnen der Schule für einen dauerhaften Fortbestand dieser Einrichtung aus.

Diese Programm funktioniert, weil Störungen in den Augen der Schüler nur Sinn machen, wenn sie in der Klasse stattfinden und nicht draußen. Die häufig Störenden müssen nun mit dem Lehrer einen Kompromiss schließen, um bleiben zu können. Erwähnenswert ist die Erkenntnis, dass bei so genannten unbelehrbaren Dauerstörern die Eltern bereits am nächsten Tag schon vor Unterrichtsbeginn zum Gespräch in die Schule kamen. Deren primäres Interesse lag natürlich daran, ihre Kinder so schnell wie möglich der Schule wieder zuzuführen (die kümmert sich einfach besser!). So bekommt man Vater und Mutter zu Gesicht, um die man sich sonst monatelang vergeblich bemüht hat – ein schönes Nebenprodukt dieser neuen pädagogischen Einrichtung unserer Schule.

3.3              Sucht- und Gewaltprävention an der Sophienschule

Die Anzahl der schwierigen Schüler an unserer Schule ist sehr hoch, deshalb hat die Präventionsarbeit einen großen Stellenwert.

Es werden zahlreiche Maßnahmen zur Prävention und zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern in schwierigen Lebenssituationen durchgeführt. Dabei entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Drogenberatungslehrerin, dem Vertrauenslehrer, Herrn Müller von der Aufsuchenden Drogenberatung Bockenheim (Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.) und den Sozialarbeitern im Schülercafé Mayday und im Café Lichtblick. Außerdem besteht eine gute Zusammenarbeit mit Herrn Scherag vom Sozialrathaus Bockenheim. Für die Lehrer der Sophienschule ist er Ansprechpartner bei Problemfällen.

Einzelbetreuung

Hier stehen Fälle von Kriseninterventionen im Vordergrund.

Schülerinnen, vorwiegend aus muslimischen Familien, werden in massiven Konfliktsituationen (unerwünschte Verheiratung durch die Eltern, Gewalt in der Familie) regelmäßig beraten und betreut. Dabei wird im Bedarfsfall eine Beratung durch das Internationale Familienzentrum in der Falkstraße in Anspruch genommen.

Schülerinnen und Schüler, die durch Haschisch- und/oder Alkoholkonsum auffallen, werden beraten, und bei den zu Grunde liegenden Problemen erfolgt eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten.

Projekte zur Sucht- und Gewaltprävention

-Be smart – don’t start – Nichtraucherwettbewerb

Dieses internationale Projekt wurde an mehreren Frankfurter Schulen durchgeführt, vier Klassen der Sophienschule haben bisher daran erfolgreich teilgenommen. Das Ziel ist, das Einstiegsalter hinauszuzögern, die Schülerinnen und Schüler für die Problematik des Rauchens zu sensibilisieren. Sie erhalten Informationen über Sucht und Gesundheit, Motive für das Rauchen und Gegenargumente werden diskutiert.

Ein weiteres Nichtraucherprojekt ist mit Herrn Scherag vom Sozialrathaus Bockenheim geplant; es soll in den 5. Klassen durchgeführt werden.

Gewaltprävention

Mehrere Klassen beschäftigten sich mit dem Problem der Gewalt. Unterrichtsprojekte zum Thema Gewalt wurden durchgeführt, Herr Böcher von der Polizei beriet die Schüler und führte mit ihnen Rollenspiele durch. Das Video „Cool sein – cool bleiben – Gewalt sehen“ wurde vorgeführt und diskutiert, Szenen wurden nachgespielt. Dabei geht es darum, die Schüler für gefährliche Situation zu sensibilisieren, sie zu befähigen, diese rechtzeitig zu erkennen und Vermeidungsstrategien zu entwickeln, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Eine Theatergruppe wurde in Zusammenarbeit mit dem Schultheaterstudio eingeladen, die mit Schülern zum Thema Gewalt arbeitete.

Ein weiteres Thema der Präventionsarbeit ist Okkultismus, ein Thema, das viele Schülerinnen und Schüler beschäftigt.

Auf die coole Tour – ich entdecke mich selbst

Hierbei handelt es sich um ein langfristig angelegtes Präventionsprojekt, das bereits seit 1995 an mehreren hessischen Schulen erfolgreich durchgeführt wurde, und das auf eine Verhinderung des Drogenkonsums, bzw. auf eine Verschiebung des Konsumbeginns und/oder eine Verhinderung langfristigen Missbrauchverhaltens bei der Teilnehmergruppe hinzielt.

Auf Suchtmittel bezogene Informationsvermittlung wird mit allgemeinen Komponenten zur Lebenskompetenzförderung gemischt. Als Methode werden Gespräche, Rollenspiele, Interaktionsübungen, Modelllernen, positive Verstärkung, Selbsterfahrung und Erlebnispädagogik eingesetzt.

Ziele sind die Förderung von allgemeiner Lebenskompetenz, eigenverantwortlicher und selbst bestimmter Lebensführung, die Entwicklung von alternativen Lebensformen und von Standfestigkeit bei sozialer Beeinflussung.

Das Projekt wird von Herrn Müller (Aufsuchende Drogenberatung Bockenheim), einer Pädagogin der Jugendberatung Lichtblick und der Klassenlehrerin durchgeführt – geplant ist eine spätere Ausweitung auf mehrere Klassen.

Step 21 – Die Jugendinitiative für Toleranz und Verantwortung

Step 21 ist eine Hamburger Initiative mit dem Ziel, Toleranz, Zivilcourage und soziales Engagement unter Jugendlichen zu fördern. Dieses Projekt soll in den 7. Klassen erprobt werden, dafür steht ein umfangreiches Medienpaket zur Verfügung.

3.4  Die Intensivkurse an der Sophienschule

Im Schuljahr 2001/2002 gab es an der Sophienschule - wie in den Jahren zuvor - zwei Intensivkurse, davon einen Kurs "Zweitalphabetisierung".

Insgesamt besuchten 28 Schüler die Kurse, wovon  8 Schüler in der lateinischen Schrift alphabetisiert werden mussten.

Das Alter der Kinder schwankte zwischen 10 und 16 Jahren.

Die Schüler kamen und kommen nicht zu einem gemeinsamen  Zeitpunkt in die Kurse, vielmehr verteilen sich die Anmeldungen über das gesamte Schuljahr.

Insgesamt waren 14 der 28 Schüler aufgrund politischer Verfolgung nach Deutschland gekommen.

Von den Intensivkursschülern kamen alleine 11 Kinder aus Afghanistan, zum großen Teil durch Kriegserfahrungen schwer traumatisiert.

Diese Kinder hatten auch in den seltensten Fällen regelmäßig eine Schule besucht.

Manchen fiel es schwer, sicher einen Stift zu führen, zumeist fehlten Grundlagen in Mathematik (Grundrechenarten).

Von daher war es nötig, einen Mathematikkurs einzurichten, in dem neben den Grundrechenarten das Schreiben in Kästchen, der Umgang mit dem Lineal, Heftführung u.ä. gelernt werden mussten.

Bei zahlreichen Kindern bestanden und bestehen keine regelmäßigen Beziehungen zu beiden Elternteilen, da häufig der Vater einige Zeit (Jahre) vor der Familie in Deutschland einen Asylantrag gestellt hatte.

Da die Eltern in den meisten Fällen nur wenig Deutsch sprechen, ist eine Verständigung über das in der Schule Notwendige sehr schwierig zu bewerkstelligen

Die Intensivkurse an der Sophienschule werden wie ein Klassenverband geführt. Es wird versucht, die Klassenlehrer mit möglichst vielen Stunden einzubinden, um den Schülern  die notwendige feste Orientierungsperson zu geben. Neben dem Schwerpunkt Deutsch finden sich im Plan der Kurse Kunst, Sport, Kochen und Englisch.

Englisch wurde im vergangenen Schuljahr eingerichtet Auf diesem Weg soll der Übergang bzw. das Fortkommen in der Regelklasse erleichtert werden. Erste Erfolge der Maßnahme sind schon in diesem Schuljahr zu bemerken. Aus diesem Grund wird der Englischunterricht fester Bestandteil der Intensivkursstundentafel bleiben.

Das Nebeneinander von Zweitalphabetisierungskurs und dem normalen Intensivkurs wurde so gestaltet, dass Kinder, die die lateinische Schrift schreiben und lesen gelernt haben, unmittelbar in den Intensivkurs wechseln können.

Der Klassenlehrer des einen Kurses ist deshalb auch gleichzeitig der stellvertretende Klassenlehrer des anderen Kurses.

Problematisch ist nach wie vor der Übergang vom Intensivkurs in die Regelklasse. Ein Schüler, der nach einem Jahr gute deutsche Sprachkenntnisse vorweist, befindet sich dennoch bei Weitem nicht auf dem Niveau der Regelklasse. So gibt es im ersten halben Jahr bei den Schülern wie auch bei den Regelklassenlehrern Schwierigkeiten, sich mit dieser neuen Situation zurecht zu finden.

Für die in den Hauptschuklassen von vornherein schwierige Unterrichtssituation (20 bis 27 Schüler in den 7., 8. oder 9. Klassen) bedeutet dieser Übergang zum Halbjahr oder Schuljahresbeginn eine weitere Erschwernis. Dieser Übergang ist einer der Gründe für die mangelnde Kontinuität bei der Klassenzusammensetzung.

                                                          

Der regelmäßige Austausch zwischen dem Regelklassen- und den Intensivkurslehrern, sowie im Vorfeld die detaillierte Information über die wechselnden Schüler ist daher unabdingbar.

Und so lassen sich auch Erfolge vorweisen: Seit der Einrichtung des zehnten Schuljahres haben jedes Jahr ehemalige Intensivkursschüler mit guten Leistungen die Prüfung zum Mittleren Bildungsabschluss erfolgreich absolviert.

3.5       Einrichtung bzw. Neustrukturierung der

Schülerbücherei in Kooperation mit der

Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA) der

Stadt Frankfurt am Main

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Die seit ca. 10 Jahren bestehende „Pausenausleihe aus dem Schrank“ ließ sich nicht im Sinne einer kontinuierlichen Leseerziehung nutzen.

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Es wurde Kontakt zu Schulen (Grundschulen) im Einzugsbereich aufgenommen, die eine funktionierende Schülerbücherei besitzen und in Kooperation mit der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA) stehen (Beratungsstufe I).

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Kontaktaufnahme und Beratungsgespräche mit der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (Beratungsstufe II): U.a. über die Empfehlungsliste der SBA Anschaffung von zu Zweidrittel Fachbücher und zu einem Drittel Belletristik. (Bisher über den Zeitraum von 2 Jahren Aufwendungen von 5.000 € aus eigenem Etat)

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Regelmäßige Information des Kollegiums und Bildung einer Gruppe, die für die tägliche Beratung und die tägliche Ausleihe verantwortlich ist.

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Nutzung des Schülerbüchereibestandes für den Unterricht

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Nutzung des Raumes der Schülerbücherei als „Schreibwerkstatt“ (zwei Computer, Schülerzeitungsredaktionsraum „Sophieso“)

 3.6      Kooperation mit anderen Schulen

Abgebende Schulen (Grundschulen)

Zum Schuljahr 2002/03 kamen Schüler aus insgesamt 10 verschiedenen Grundschulen in die 5. Klasse der Sophienschule. Diese Schulen liegen in Bockenheim (2) sowie den angrenzenden Stadtteilen.

Die KlassenlehrerInnen der 5. Klassen bemühen sich um einen frühzeitigen intensiven pädagogischen Kontakt zu den Grundschullehrerinnen, um Informationen zu erhalten über:

-          die familiäre Situation der Schüler

-          schulspezifische Probleme (LRS, ADS)

-          speziellen Förderbedarf

-          außerschulische pädagogische Maßnahmen

Diese Kooperation mit den Grundschulen ist durchaus ausbaufähig, sollte jedoch früher als am Ende der 4. Klasse beginnen.

Schulen der gleichen Schulform (Hauptschulen/Hauptschulzweige)

Eine von LehrerInnen der Sophienschule initiierte „AG Hauptschule“ für Frankfurt hat bisher in drei Treffen Vertreter von insgesamt 13 betroffenen Schulen zusammen gebracht.

Ging es primär um einen Erfahrungsaustausch über gut funktionierende pädagogische Schwerpunkte an den einzelnen Schulen (z.B. Praxistage, Schulsozialarbeit), so ist langfristig an den Aufbau einer Interessenvertretung (Hauptschul-Lobby“) gedacht, die auch vor gezielter politischer Öffentlichkeitsarbeit nicht zurückschreckt.

Konkreter Ansatzpunkt der nächsten Treffen soll die kritische Auseinandersetzung mit Anspruch und Wirklichkeit der hessischen Schulpolitik sein. (Stichwort: Klassenfrequenzen an den Hauptschulen, neue Lehrpläne, geplante Abschluss-Prüfungen).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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