Sophienschule

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Hauptschule (Kl. 5
bis 10)
der
Stadt Frankfurt am
Main
Falkstraße 60
60487 Frankfurt am
Main
Telefon : 212 - 35283
Fax : 212 - 39094
1.
Einleitung
2.
Analyse
2.1
Unsere Schüler
3.
SOPHIENSCHULE AKTUELL -
Fortschreibung und Innovation
3.1 Curriculum Klasse 5
3.2 Trainingsraumprogramm
3.3 Sucht- und Gewaltprävention
3.4 Intensivkurse
3.5 Schülerbücherei
3.6 Kooperation mit anderen Schulen
Einleitung
Diese Einleitung stellt trotz
ihrer Kürze einen entscheidenden Abschnitt in unserem Schulprogramm dar,
weil wir glauben, dass wir dem Leser gerade hier zusammenfassend und
treffsicher unsere Philosophie näher bringen.
Pilotschule
Als eine der ersten Schulen in
Hessen hat die Sophienschule damit begonnen, am Schulprogramm zu arbeiten.
Der Text von 1998 – erschienen im Heft „Schulprogramme und Evaluation in
Hessen“ Nr. 6 – ist heute, vier Jahre später, schon teilweise Geschichte
geworden. Zu den Erkenntnissen von damals sind selbstverständlich neue
hinzugekommen. Diese haben die Schule teilweise verändert und werden
nachfolgend im Text genannt und beschrieben. Trotzdem hat das vor vier
Jahren Gesagte weiterhin Bestand.
Trendsetter
Eine Schule mit so genannten
schwierigen Schülern, mitten in einer Großstadt wie Frankfurt am Main spürt
die gesellschaftlichen Veränderungen vor allen anderen und vor allem
hautnah. Wir reagieren, ändern uns, und die nächsten Seiten sollen über
diese Änderungen berichten. Im übrigen darf dies auch als kleiner Nachweis
dazu dienen, dass Schulprogrammarbeit kein in sich abgeschlossenes Thema
bedeutet, sondern einer Prozessbeschreibung ähnelt – auf Dauer.
Schüler und
Lehrer
Ein genaues Bild von den
Schülern der Sophienschule liefert die Analyse der Zahlen zu den folgenden
Stichwörtern: Rückläufer, Seiteneinsteiger, LRS-Kinder, Schulschwänzer etc..
Wie eine Auswahl unserer
Schüler des achten Jahrgangs bei PISA abgeschnitten hat, dokumentieren die
Schaubilder der Analyse.
Dass sich die Lehrer an der
Sophienschule recht wohl fühlen und weitere interessante Umfrageergebnisse
aus dem Kollegium sind nachzulesen in dem Evaluationspapier.
PISA
Einer Analyse der aktuellen
schulischen Situation folgt eine Beschreibung über das Neue an unserer
Schule – sozusagen als Konsequenz des Erlebten und Beobachteten. Vier
Pädagogische Konferenzen halfen uns bei den Entscheidungen für die
Gestaltung des Schuljahres 2002/03.
Beginnen wir mit PISA. Die
Sophienschule war dabei – durch Losentscheid – und hat sicherlich auch ihren
Anteil am schlechten Abschneiden hessischer Schulen im bundesdeutschen
Vergleich und deutscher Schulen im internationalen Vergleich. Für alle, die
an dieser Schule arbeiten, war das Ergebnis nicht überraschend.
Der Leser muss erfahren, dass
wir Wissen vermitteln, alphabetisieren, das verstehende Lesen lehren, als
Sozialstation fungieren, in die Elternrolle schlüpfen, Polizeiarbeit
betreiben, Schulschwänzer einsammeln, gutes Benehmen trainieren und und.
Unser Programm wird uns sozusagen von unseren Kindern und Jugendlichen
vorgegeben. Vieles können wir korrigieren und verbessern – bei manchem
bleibt Stillstand, oder die Dinge verschlechtern sich mit zunehmendem Alter.
Die meisten unserer
Jugendlichen werden grundlegenden Anforderungen nicht gerecht. Sie können
nur mit Mühe lesen oder Texte verstehen und kaum über Grundschulniveau
hinaus rechnen. Migrantenkinder schneiden besonders schlecht ab. Die
Konsequenzen: Förderkonzepte für Migrantenkinder, besondere Lernziele und
Förderpläne für die Schwächeren, sonderpädagogisches Personal, finanzielle
Besserstellung von Schulen in benachteiligten Region, gestalten von Schulen
als Lebensraum etc..
Spaßkultur
In einer unserer neuen fünften
Klasse werden knapp ein Drittel (vier von fünfzehn) der Kinder für den
Wechsel in eine Lernhilfeschule überprüft. Diese Schüler schaffen es nicht
einmal, das Datum (sic) von der Tafel fehlerfrei in ihr Heft zu übertragen.
In unserer zehnten Klasse gelingt es wiederum zwei Dritteln von allen, die
Sophienschule mit dem Mittleren Bildungsabschluss zu verlassen. Eigentlich
sind wir Lernhilfeschule, Hauptschule und Realschule zugleich. Alle kommen
gerne – aber nicht um zu arbeiten oder sich anzustrengen. Die weite
Verbreitung der Spaßkultur unserer Gesellschaft steht damit in direktem
Zusammenhang. Erziehungspraktiken im Elternhaus lassen eher auf eine
Laisser-faire-Einstellung schließen. Unsere Kinder und Jugendlichen sind
verwöhnt und wer Begriffe wie Anstrengung, Leistung und Disziplin ganz oben
ansiedelt, läuft immer noch gegen den Trend.
Bei Schülerbefragungen im
ganzen Land erfährt man ohne gravierende Unterschiede zwischen den
Schulformen und den Bundesländern, dass der überwiegende Teil aller Schüler
gerne die Schule besucht. Dies muss aber nicht als Indiz dafür herhalten,
dass unsere Schulen mehrheitlich als gute Schulen zu bewerten sind. Kann es
nicht auch sein, gerade dann besonders gerne in eine Schule zu gehen, die
wenig Leistung abverlangt und eher dem Spaßprinzip frönt. Schulen, die bei
den Jugendlichen Anstrengungen einfordern, rangieren dann in der
Beliebtheitsskala weiter hinten.
Auch bei den Schulverweigerern
ist die Ursache nicht eindeutig. Lehrkräfte machen dafür vor allem Familien
verantwortlich, während Eltern und Jugendliche die Abkoppelungsgründe eher
im schulischen Milieu verankern.
Zwei Fragen
Wie kann das Arbeits- und
Sozialverhalten gefördert werden?
Welche Strukturen können
aufgebaut werden, um unseren Schülern sichere Hilfestellung zu geben?
Erfolgreiches Lernen geht nur
unter zwei Voraussetzungen. Reproduzierendes Lernen kann angeordnet werden,
Rechnen, Schreiben, einfaches Lesen, auswendig Lernen gehören dazu.
Sich aber dauerhaft in eine
bestimmte Situation zu begeben, an einem Problem zu arbeiten, Erfahrenes
abzurufen und konkret anzuwenden, dies gelingt nur auf freiwilliger Basis.
Ohne Selbstbestimmung kein erfolgreiches Lernen.
Gerade sie sind nicht an
diszipliniertes Arbeiten gewöhnt und resignieren beim ersten Hindernis.
Verabredungen geben sie schnell wieder auf, sobald der Reiz wächst auf das
alte unerwünschte Verhalten zurückzugreifen.
2.1 Unsere Schüler
238
SchülerInnen insgesamt (150
Jungen und 88 Mädchen)
davon 28
SchülerInnen deutscher Herkunft und 210 ausländischer Herkunft
210 SchülerInnen ausländischer
Herkunft
davon 153 SchülerInnen ausländischer Nationalität und 57 SchülerInnen mit
deutschem Paß
Ein Viertel der Schüler
wohnt in Bockenheim, der Rest kommt aus anderen teilweise weit
abgelegenen Stadtteilen.
Die Zahl der so genannten „Rückläufer“
aus anderen Schulformen ist verhältnismäßig hoch, sie liegt bei 40 Schülern.
Hier handelt es sich also um Schüler, die in der Regel aus Realschulen,
teilweise sogar aus Gymnasien kommen.
Nach der
4. Klasse der Grundschule werden diese Schüler auf Grund des alleinigen
Elternwunsches – und nicht selten gegen die Empfehlung der
Grundschullehrerinnen – an den oben genannten Schulen angemeldet. Nach zwei
Nichtversetzungen müssen diese Schüler die Schule dann verlassen und kommen
so als „Absteiger“ an die Sophienschule. Hier fühlen sie sich aber immer
noch als Realschüler oder Gymnasiasten, auf keinen Fall aber als
Hauptschüler, was zu erheblichen Spannungen im Schulalltag führt.
Eine weitere besondere
Herausforderung zeigen die folgenden Daten: Die Zahl der Schüler mit
Lese-Rechtschreibschwäche liegt bei 37.
Drei Schüler sind wegen eines
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms in ärztlicher Behandlung und
erhalten Ritalin. Die Einnahme erfolgt oft unkontrolliert, und so kommt es
zu auffälligem oder weniger auffälligem Verhalten.
20 Schüler erhalten eine
allgemeine familiäre Erziehungshilfe.
5 Schüler werden vom Zentrum
für Erziehungshilfe betreut. Diese Schüler werden regelmäßig von
Mitarbeitern des Zentrums im Unterricht besucht und begleitet, außerdem
finden häufig Gespräche am „runden Tisch“ zwischen allen Beteiligten statt
(Schüler, Klassenlehrer, Mitarbeiter des Zentrums für Erziehungshilfe). Das
beinhaltet einen erheblichen Zeitaufwand für die betroffenen Klassenlehrer.
Im letzten Jahr ist uns
aufgefallen, dass von den etwa 30 aufgenommenen Fünftklässlern für ein
Drittel eine Überprüfung zum Wechsel in eine Lernhilfeschule
erforderlich wäre, weil diese Kinder den Anforderungen in keiner Weise
gewachsen sind. Dass es meistens bei den Überprüfungen bleibt und nicht zum
Wechsel kam, soll hier nur als Tatsache festgehalten werden.
Weitere Schwierigkeiten
entstehen an der Schule durch die hohe Zahl der Schulschwänzer (20)
sowie durch solche Schüler, die regelmäßig zu spät kommen, und das sind
immerhin 20 %. Bei einer überschaubaren Größe bleiben die Schüler, die
unentschuldigt fehlen, nicht unentdeckt. Die Recherchen – in der Regel schon
nach dem zweiten Tag des Fehlens – beschreiben immer die gleiche Situation:
Verlassen der elterlichen Wohnung wie gewohnt, um sich mit Freunden zu
treffen.
Der Versuch, Kinder mit Hilfe
der Polizei dem Schulbesuch zuzuführen, war bisher einmalig, wurde
aber von Seiten der Polizei nach drei Tagen wegen Personalmangels beendet;
die pädagogische Wirkung blieb aus.
Mit der Polizei hatten oder
haben schon 10 % unserer Schüler zu tun. Dabei ging es um folgende Delikte:
Diebstahl, Sachbeschädigung, Drogenmissbrauch, Raub und Körperverletzung.
Nahezu rekordverdächtig – und
darauf sind wir gewiss nicht stolz – ist die Anzahl der
Klassenkonferenzen im Schuljahr (35). Durchschnittlich ein Mal pro Woche
sitzen Lehrer, Schulleitung, Klassensprecher, Eltern und der betroffene
Schüler zusammen, um einen schwierigen Vorfall zu klären und eine sinnvolle
Strafe auszusprechen.
Der Grund für die zahlreichen
auffälligen Schüler an der Sophienschule ist häufig in der familiären
Situation zu suchen. So leben 36 Schüler bei nur einem Elternteil. In 85
Familien arbeiten beide Eltern, bei 16 Schülern sind beide Eltern
arbeitslos, bei 17 der Vater, bei 18 die Mutter. 7 Schüler sind in Heimen
untergebracht.
Eine weitere Schwierigkeit
sind die großen Altersunterschiede innerhalb der einzelnen Klassen.
In sieben Klassen streuen die Geburtsjahrgänge über vier Jahre, in vier
Klassen über drei. Dabei ist die Streuung bei den Jungen stärker als bei den
Mädchen.
Die
Gründe hierfür sind Nichtversetzung, späte Einschulung. Wechsel aus den
Intensivkursen in einer ihrem Können angemessene Jahrgangsstufe, die oftmals
nicht ihrem Alter entspricht.
In den letzten beiden Jahren
gab es 83 Neuzugänge und 33 Abgänge. Hinzu kommen noch die schulinternen
Zugänge aus den Intensivkursen (17) und Sitzenbleiber. Dadurch ändert sich
häufig die Zusammensetzung der Klassen. Gerade diese hohe Fluktuation
zwingt viele Klassenlehrer, nach erfolgreichem Einüben von Regeln, Ritualen
und Kommunikationsmustern immer wieder vorne anfangen zu müssen.
3.1 Curriculum Klasse 5
Der ursprüngliche Gedanke, für
sämtliche Klassenstufen einen curricularen Rahmen zu erstellen, erwies sich
als nicht realisierbar. Er wurde aufgegeben zugunsten inhaltlicher,
methodischer und organisatorischer Planungen für die Jahrgangsstufe 5
(Curriculare Basis).
Schwerpunkte:
Klassenlehrerprinzip (ca. 10 – 15 Wochenstunden)
·
Die Schüler der Klasse 5 sollten von einem kleinen
Lehrerteam unterrichtet werden. In unseren beiden fünften Klassen
arbeiten aktuell jeweils vier Lehrer in einer Klasse.
·
Zu Beginn des Schuljahres sollen Vergleichstests in den
Fächern Deutsch und Mathematik geschrieben werden.
·
Für jeden Schüler ist ein Leistungsprofil zu erstellen, damit
individuelle Lernzuwächse später sichtbar dokumentiert werden können.
·
Als ein Ergebnis von PISA erhalten die Schüler der Klasse 5
eine Lesestunde pro Tag zusätzlich. Außerdem wird die
Schülerbücherei regelmäßig in den Unterricht mit einbezogen.
·
Für Schüler gibt es eine individuelle Lesekartei, d.h.,
es wird festgehalten, welche Bücher ein Schüler gelesen hat.
·
Durch eine enge Kooperation mit der Schülerzeitung „Sophieso“
können „Autoren“ gefördert werden.
·
Projektorientiertes Arbeiten besitzt einen hohen
Stellenwert an unserer Schule. Für Schüler in der 5. Klasse geht es um das
Einüben dieses Unterrichtsprinzips z.B. mit Themen wie Dinosaurier, Indianer
etc. . Unter anderem wird hier auch die eigenständige Museumsarbeit
eingeführt.
·
Feste Regeln und Rituale wie Montagskreis,
Klassendienste, Konzentrationsübungen etc. gehören zum Unterrichtsprinzip.
· Sekundärtugenden
wie Ordnung, Pünktlichkeit, Umgang miteinander stehen im Mittelpunkt des ersten
Jahres an unserer Schule. Von Anfang an beschäftigt sich die Erziehung an
der Sophienschule damit, peu á peu, ein
angemessenes Sozialverhalten bei unseren Schülern herauszubilden.
·
Regelmäßig sollen außerschulische Lernorte besucht
werden (Zoo, Palmengarten, Bauernhof, Erntedankfest etc.).
·
In regelmäßigen Abständen überprüft der Klassenlehrer/die
Klassenlehrerin die Lernmaterialien der Schüler; zunächst durch
Ankündigung, später überraschend. Wir nennen das TÜV.
3.2
Trainingsraum
Als
schwierig gelten Kinder und Jugendliche, die sich innerhalb der Schule
wiederholt so verhalten, dass sie bei Lehrern aber auch Mitschülern Anstoß
erregen.
An der Sophienschule haben es
in den letzten Jahren die KollegInnen vermehrt mit verhaltensauffälligen
Schülern zu tun. In den Klassen können drei typische Ausprägungsformen
beobachtet werden:
-
Aktiv „störende“ Verhaltensauffälligkeiten (
aggressives Verhalten, Sachbeschädigung, fordern von Aufmerksamkeit,
motorische Unruhe, Ungehorsam, Wutausbrüche etc.).
-
Leistungsprobleme (mangelnde Motivation,
Unkonzentriertheit, Leistungsstörungen).
-
Internalisierende Verhaltensauffälligkeiten
(depressive Verstimmung, psychosomatische Störungen, mangelndes
Selbstvertrauen, Versagensängste).
Unerwünschtes Verhalten stört
den Lernbetrieb. Zu den „schwierigen Schülern“ wird ein Schüler dann
gezählt, wenn er auf die Ermahnung, das unerwünschte Verhalten aufzugeben,
nicht reagiert. Störungen des Unterrichts werden mehr und mehr zur
Normalität, geeignete Lernatmosphären immer seltener.
Auf Vorschlag des Schulleiters
hat die Gesamtkonferenz im Juni 2002 einstimmig beschlossen, im Schuljahr
2002/03 das so genannte „Trainingsraumprogramm“ an der Sophienschule
einzuführen. Diese Idee nach Stefan Balke hat zwei Ziele: Erstens
lernbereite Schüler zu schützen und ihnen einen ungestörten Unterricht
anzubieten, zweitens häufig störenden Schülern zu helfen, dass sie ihr
Sozialverhalten verbessern.
Ein störender Schüler wird
deutlich ermahnt. Wenn er nicht einlenkt, bzw. weiter stört, muss er die
Klasse verlassen und in den Trainingsraum gehen. Dort erarbeitet er unter
Aufsicht eines Lehrers einen Rückkehrplan (vergleiche Anlage), mit dem er
frühestens in der übernächsten Stunde in den Unterricht zurück geht.
Bei Störungen im Trainingsraum
muss der Schüler nach Hause. Gleichzeitig werden die Eltern informiert. Der
Schüler darf nur dann zurück in die Schule, wenn er mit einem Elternteil zu
einem Beratungsgespräch kommt.
Der Trainingsraum der
Sophienschule ist seit Beginn dieses Schuljahres jeden Tag von der ersten
bis zur vierten Stunde einschließlich mit einem Lehrer/Lehrerin der Schule
besetzt.
Nach einer sechswöchigen
Erprobung sprachen sich kurz vor den Herbstferien alle KollegInnen der
Schule für einen dauerhaften Fortbestand dieser Einrichtung aus.
Diese Programm funktioniert,
weil Störungen in den Augen der Schüler nur Sinn machen, wenn sie in der
Klasse stattfinden und nicht draußen. Die häufig Störenden müssen nun mit
dem Lehrer einen Kompromiss schließen, um bleiben zu können. Erwähnenswert
ist die Erkenntnis, dass bei so genannten unbelehrbaren Dauerstörern die
Eltern bereits am nächsten Tag schon vor Unterrichtsbeginn zum Gespräch
in die Schule kamen. Deren primäres Interesse lag natürlich daran, ihre
Kinder so schnell wie möglich der Schule wieder zuzuführen (die kümmert sich
einfach besser!). So bekommt man Vater und Mutter zu Gesicht, um die man
sich sonst monatelang vergeblich bemüht hat – ein schönes Nebenprodukt
dieser neuen pädagogischen Einrichtung unserer Schule.
3.3
Sucht- und Gewaltprävention an der Sophienschule
Die Anzahl der schwierigen
Schüler an unserer Schule ist sehr hoch, deshalb hat die Präventionsarbeit
einen großen Stellenwert.
Es werden zahlreiche Maßnahmen
zur Prävention und zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern in
schwierigen Lebenssituationen durchgeführt. Dabei entwickelte sich eine
intensive Zusammenarbeit zwischen der Drogenberatungslehrerin, dem
Vertrauenslehrer, Herrn Müller von der Aufsuchenden Drogenberatung
Bockenheim (Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.) und den Sozialarbeitern im
Schülercafé Mayday und im Café Lichtblick. Außerdem besteht eine gute
Zusammenarbeit mit Herrn Scherag vom Sozialrathaus Bockenheim. Für die
Lehrer der Sophienschule ist er Ansprechpartner bei Problemfällen.
Einzelbetreuung
Hier stehen Fälle von
Kriseninterventionen im Vordergrund.
Schülerinnen, vorwiegend aus
muslimischen Familien, werden in massiven Konfliktsituationen (unerwünschte
Verheiratung durch die Eltern, Gewalt in der Familie) regelmäßig beraten und
betreut. Dabei wird im Bedarfsfall eine Beratung durch das Internationale
Familienzentrum in der Falkstraße in Anspruch genommen.
Schülerinnen und Schüler, die
durch Haschisch- und/oder Alkoholkonsum auffallen, werden beraten, und bei
den zu Grunde liegenden Problemen erfolgt eine Auseinandersetzung mit
verschiedenen Lösungsmöglichkeiten.
Projekte zur Sucht- und Gewaltprävention
-Be smart – don’t start –
Nichtraucherwettbewerb
Dieses internationale Projekt
wurde an mehreren Frankfurter Schulen durchgeführt, vier Klassen der
Sophienschule haben bisher daran erfolgreich teilgenommen. Das Ziel ist, das
Einstiegsalter hinauszuzögern, die Schülerinnen und Schüler für die
Problematik des Rauchens zu sensibilisieren. Sie erhalten Informationen über
Sucht und Gesundheit, Motive für das Rauchen und Gegenargumente werden
diskutiert.
Ein weiteres
Nichtraucherprojekt ist mit Herrn Scherag vom Sozialrathaus Bockenheim
geplant; es soll in den 5. Klassen durchgeführt werden.
Gewaltprävention
Mehrere Klassen beschäftigten
sich mit dem Problem der Gewalt. Unterrichtsprojekte zum Thema Gewalt wurden
durchgeführt, Herr Böcher von der Polizei beriet die Schüler und führte mit
ihnen Rollenspiele durch. Das Video „Cool sein – cool bleiben – Gewalt
sehen“ wurde vorgeführt und diskutiert, Szenen wurden nachgespielt. Dabei
geht es darum, die Schüler für gefährliche Situation zu sensibilisieren, sie
zu befähigen, diese rechtzeitig zu erkennen und Vermeidungsstrategien zu
entwickeln, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.
Eine Theatergruppe wurde in
Zusammenarbeit mit dem Schultheaterstudio eingeladen, die mit Schülern zum
Thema Gewalt arbeitete.
Ein weiteres Thema der
Präventionsarbeit ist Okkultismus, ein Thema, das viele Schülerinnen
und Schüler beschäftigt.
Auf die coole Tour – ich entdecke mich
selbst
Hierbei handelt es sich um ein
langfristig angelegtes Präventionsprojekt, das bereits seit 1995 an mehreren
hessischen Schulen erfolgreich durchgeführt wurde, und das auf eine
Verhinderung des Drogenkonsums, bzw. auf eine Verschiebung des Konsumbeginns
und/oder eine Verhinderung langfristigen Missbrauchverhaltens bei der
Teilnehmergruppe hinzielt.
Auf Suchtmittel bezogene
Informationsvermittlung wird mit allgemeinen Komponenten zur
Lebenskompetenzförderung gemischt. Als Methode werden Gespräche,
Rollenspiele, Interaktionsübungen, Modelllernen, positive Verstärkung,
Selbsterfahrung und Erlebnispädagogik eingesetzt.
Ziele sind die Förderung von
allgemeiner Lebenskompetenz, eigenverantwortlicher und selbst bestimmter
Lebensführung, die Entwicklung von alternativen Lebensformen und von
Standfestigkeit bei sozialer Beeinflussung.
Das Projekt wird von Herrn
Müller (Aufsuchende Drogenberatung Bockenheim), einer Pädagogin der
Jugendberatung Lichtblick und der Klassenlehrerin durchgeführt – geplant ist
eine spätere Ausweitung auf mehrere Klassen.
Step 21 – Die Jugendinitiative für Toleranz
und Verantwortung
Step 21 ist eine Hamburger
Initiative mit dem Ziel, Toleranz, Zivilcourage und soziales Engagement
unter Jugendlichen zu fördern. Dieses Projekt soll in den 7. Klassen erprobt
werden, dafür steht ein umfangreiches Medienpaket zur Verfügung.
3.4 Die
Intensivkurse an der Sophienschule
Im Schuljahr 2001/2002 gab es
an der Sophienschule - wie in den Jahren zuvor - zwei Intensivkurse, davon
einen Kurs "Zweitalphabetisierung".
Insgesamt besuchten 28 Schüler
die Kurse, wovon 8 Schüler in der lateinischen Schrift alphabetisiert
werden mussten.
Das Alter der Kinder schwankte
zwischen 10 und 16 Jahren.
Die Schüler kamen und kommen
nicht zu einem gemeinsamen Zeitpunkt in die Kurse, vielmehr verteilen sich
die Anmeldungen über das gesamte Schuljahr.
Insgesamt waren 14 der 28
Schüler aufgrund politischer Verfolgung nach Deutschland gekommen.
Von den Intensivkursschülern
kamen alleine 11 Kinder aus Afghanistan, zum großen Teil durch
Kriegserfahrungen schwer traumatisiert.
Diese Kinder hatten auch in
den seltensten Fällen regelmäßig eine Schule besucht.
Manchen fiel es schwer, sicher
einen Stift zu führen, zumeist fehlten Grundlagen in Mathematik
(Grundrechenarten).
Von
daher war es nötig, einen Mathematikkurs einzurichten, in dem neben den
Grundrechenarten das Schreiben in Kästchen, der Umgang mit dem Lineal,
Heftführung u.ä. gelernt werden mussten.
Bei zahlreichen Kindern
bestanden und bestehen keine regelmäßigen Beziehungen zu beiden
Elternteilen, da häufig der Vater einige Zeit (Jahre) vor der Familie in
Deutschland einen Asylantrag gestellt hatte.
Da die Eltern in den meisten
Fällen nur wenig Deutsch sprechen, ist eine Verständigung über das in der
Schule Notwendige sehr schwierig zu bewerkstelligen
Die Intensivkurse an
der Sophienschule werden wie ein Klassenverband geführt. Es wird
versucht, die Klassenlehrer mit möglichst vielen Stunden einzubinden, um den
Schülern die notwendige feste Orientierungsperson zu geben. Neben dem
Schwerpunkt Deutsch finden sich im Plan der Kurse Kunst, Sport, Kochen und
Englisch.
Englisch wurde im vergangenen
Schuljahr eingerichtet Auf diesem Weg soll der Übergang bzw. das Fortkommen
in der Regelklasse erleichtert werden. Erste Erfolge der Maßnahme sind schon
in diesem Schuljahr zu bemerken. Aus diesem Grund wird der
Englischunterricht fester Bestandteil der Intensivkursstundentafel
bleiben.
Das Nebeneinander von
Zweitalphabetisierungskurs und dem normalen Intensivkurs wurde so
gestaltet, dass Kinder, die die lateinische Schrift schreiben und lesen
gelernt haben, unmittelbar in den Intensivkurs wechseln können.
Der Klassenlehrer des einen
Kurses ist deshalb auch gleichzeitig der stellvertretende Klassenlehrer des
anderen Kurses.
Problematisch ist nach wie vor
der Übergang vom Intensivkurs in die Regelklasse. Ein Schüler,
der nach einem Jahr gute deutsche Sprachkenntnisse vorweist, befindet sich
dennoch bei Weitem nicht auf dem Niveau der Regelklasse. So gibt es im
ersten halben Jahr bei den Schülern wie auch bei den Regelklassenlehrern
Schwierigkeiten, sich mit dieser neuen Situation zurecht zu finden.
Für die in den
Hauptschuklassen von vornherein schwierige Unterrichtssituation (20
bis 27 Schüler in den 7., 8. oder 9. Klassen) bedeutet dieser
Übergang zum Halbjahr oder Schuljahresbeginn eine weitere Erschwernis.
Dieser Übergang ist einer der Gründe für die mangelnde Kontinuität bei der
Klassenzusammensetzung.
Der regelmäßige Austausch
zwischen dem Regelklassen- und den Intensivkurslehrern, sowie im
Vorfeld die detaillierte Information über die wechselnden Schüler ist daher
unabdingbar.
Und so lassen sich auch
Erfolge vorweisen: Seit der Einrichtung des zehnten Schuljahres haben
jedes Jahr ehemalige Intensivkursschüler mit guten Leistungen die
Prüfung zum Mittleren Bildungsabschluss erfolgreich absolviert.
3.5 Einrichtung bzw.
Neustrukturierung der
Schülerbücherei in Kooperation mit der
Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA) der
Stadt
Frankfurt am Main